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Mit Liedern Mut machen – Schulübergreifendes Projekt-Konzert mit Aeham Ahmad in der Gesamtschule Friedenstal

Einen musikalisch und emotional beeindruckenden Nachmittag erlebten Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Friedenstal, der Otto-Hahn Realschule, der Geschwister-Scholl-Realschule und des Königin-Mathilde-Gymnasiums im Oktober. Die Gesamtschule Friedenstal und das „Sprachnetzwerk Herford“ (Arbeitsgemeinschaft der Herforder Schulen mit Sprachfördergruppen) hatten Aeham Ahmad – den weltbekannten „Pianist in den Trümmern“ – zu einem Konzert in das Forum der Gesamtschule eingeladen.
Neben eigenen Stücken, die den Schmerz der Flucht erkennen ließen, spielte Aeham Ahmad auch bekannte fröhliche Lieder, die zum Mitsingen anregten und voller Freude und Hoffnung waren.
Zwischen den Klavierstücken lasen Schülerinnen der Gesamtschule Friedenstal Auszüge aus Aeham Ahmads Buch „Und die Vögel werden singen“. Darin beschreibt er unter anderem eine Diskussion mit seinem Vater in seiner Kindheit, in der er nicht immer Lust auf das Klavier hatte: „Was habe ich davon, wenn ich Klavierspielen lerne? Was bringt mir das? Kein Mensch kennt hier Mozart.“ Sein Vater antwortet ihm damals: „Du sollst eine Sprache lernen, die jeder versteht. Wir sind Flüchtlinge. In die Heimat können wir nicht. Du sollst international sein.“
Daraufhin setzt sich Aeham Ahmad an das Klavier auf der Bühne und spielt „Rondo Alla Turca“ von Mozart und jeder im Publikum erkennt das Stück sofort.
In einem abschließenden Interview vor der Bühne verdeutlichte Aeham, dass er sehr gerne dieses Konzert gegeben habe. Es sei wichtig, dass die Geschichte der Flüchtlinge erzählt werde, damit mehr Menschen bereit seien, die Fluchtursachen zu bekämpfen, denn niemand verließe freiwillig seine Heimat. Er wünscht sich, dass alle Menschen auf der Welt frei sind und nicht durch diktatorische Regimes eingeschränkt werden. Genau das schrieb er auch abschließend auf seinen Wunschzettel für den aufgestellten „Wunschbaum“ und beendete das Konzert mit Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ und dem Volkslied „Die Gedanken sind frei“.
Mit großer Spannung wurde dem Konzert von Aeham Ahmad an der Gesamtschule Friedenstal entgegengefiebert. Die Schüler und Schülerinnen der beteiligten Schulen hatten sich bereits seit Tagen mit der Geschichte seiner Flucht auseinandergesetzt. Dabei sind verschiedene Kunstwerke und ein Wunschbaum mit Wünschen über das Zusammenleben der Menschen in der Zukunft entstanden, die im Forum der Gesamtschule ausgestellt wurden.
Aeham Ahmad - der Pianist in den Trümmern – hat in Yarmuk, Syrien, in den zerstörten Straßen gespielt und schließlich das Land verlassen. In seinem Buch beschreibt er sein Aufwachsen in Syrien bis hin zur Flucht nach Deutschland. Mit dem Klavier, dem „Symbol großer Kultur“, wie er schreibt, macht er auf die schwierige Situation in seiner Heimat aufmerksam. Ahmad hat sein musikalisches Können genutzt und Lieder gespielt und gesungen. Lieder, die vom täglichen schweren Alltag in Syrien handeln. Syrische Kinder wollen mitsingen, begleiten ihn und seine Lieder. Friedlicher Protest und doch wird eines Tages dabei ein Mädchen erschossen.
Eines Tages filmen Freunde sein Klavierspiel und posten das Video im Internet. Es verbreitet sich. Plötzlich hört die Welt hört zu. Ahmad versucht ohne seine Familie zu fliehen. Beim zweiten Versuch schafft er es über das Mittelmeer. Sein Ziel ist, wie vieler anderer Flüchtlinge auch, Deutschland. Immer in Gedanken an die zurückgelassene Familie, die inzwischen auch in Deutschland leben kann.
In Deutschland kann er wieder spielen, lernt viele Menschen kennen, gibt unzählige Konzerte und musiziert auch mit bekannten Musikern. 2015 erhält er den Internationalen Beethovenpreis für Menschrechte.

Bildergalerie des Konzerts:

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